Textfeld: Thema:	"Die Marktplatzgrabungen in Neubrandenburg (2006/2007) und ihre
		archäologischen Ergebnisse"

Termin:	01.06.2010, 19:00 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr)

Ort:		Regionalbibliothek (Galerie), Neubrandenburg

Referenten vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Dezernat Archäologie:
- Frau Verena Hoffmann,
- Herr Wolfgang Virk

Auf Einladung des Neubrandenburger Münzvereins berichteten Frau Verena Hoffmann
und Herr Wolfgang Virk über Münzen und andere archäologische Funde, die im
Vorfeld der Bauarbeiten auf dem Neubrandenburger Marktplatz ausgegraben, 
gesichert und ausgewertet wurden. Die Referenten werden mit ihren Ausführungen
ein lebendiges Bild von Handel, Handwerk und Markttreiben im Mittelalter und in 
der frühen Neuzeit vermitteln.

» Plakat zur Veranstaltung



Artikel von Herrn Dr. Peter Worseck:

Reges Interesse fand die am 1. Juni 2010 auf Initiative des Neubrandenburger Münzvereins
stattgefundene Vortragsveranstaltung "Die Marktplatzgrabungen in Neubrandenburg in den Jahren
2006/2007 und ihre archäologischen Ergebnisse". Ungefähr 80 interessierte Neubrandenburger
folgten unserer Einladung. Zum Glück waren in der Regionalbibliothek noch genügend Stühle
vorhanden, die herangeholt werden konnten, damit keiner stehend den Ausführungen folgen
musste.
Frau Verena Hoffmann und Herr Wolfgang Virk vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege des
Landes Mecklenburg-Vorpommern lüfteten 3 Jahre nach den Ausgrabungen endlich das Geheimnis
und berichteten über die Münzfunde auf unserem Marktplatz.

Frau Hoffmann schilderte als damalige Grabungsleiterin den Ablauf der Stadtgründung vom
Hochmittelalter bis zur frühen Neuzeit. Ritter Herbord von Raven war als Lokator von den
Brandenburgischen Kurfürsten mit Privilegien ausgestattet worden, um das Wirtschaftsunter-
nehmen „Stadt Neubrandenburg“ zum Laufen zu bringen. Die ganze Sache rechnete sich für die
Neubrandenburger Altvorderen vor allem über den Fernhandel und die in diesem Zusammenhang
von den Kaufleuten erhobenen sogenannten „Stapelgelder“ (Lagerentgelt). Neubrandenburg wurde
damals schon zum Oberzentrum des Landes Stargard ausgebaut. Ähnlich wie Demmin, Anklam
oder Pasewalk entstand Neubrandenburg planmäßig an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen.
Was hier konkret gehandelt wurde, ließe sich heute mit Bestimmtheit nicht sagen, führte Frau
Hoffmann aus, da man nichts gefunden hat. Es spräche sehr viel dafür, dass es Getreide gewesen
ist, das in Mecklenburg angebaut wurde und den Bedarf im Westen und Norden deckte. Die
Fundmünzen stammen aus den Geldbörsen der Marktteilnehmer und waren somit für den täglichen
Bedarf bestimmt. Die eigentliche Ware wurde mit Sicherheit anders bezahlt. Weiterhin berichtete
Frau Hoffmann über die Fundumstände der über 700 Münzen, in der Regel Kleinmünzen, die vor
allem in Abfall- und Fäkaliengruben bzw. in den Gebäudefundamenten vorgefunden wurden. Mit
Detektoren wurden die Aushübe systematisch nach Metallgegenständen durchsucht. Jeder Fund
wurde so gesichert, dass das Material erhalten wurde, und es wurde festgehalten, wo das jeweilige
Stück gefunden wurde.

Herr Virk, dem die numismatische Auswertung der Fundmünzen zu verdanken ist, stellte in seinen
umfangreichen Ausführungen Informationen über die Verteilung der Prägestätten und –zeiten
sowie der vorgefundenen Nominale zur Verfügung. Ein Teil der Münzen konnte nicht ausgewertet
werden, da sie zu stark korrodiert waren; oder sie sind so klein, dass eine Bestimmung schwierig
war. Der andere Teil, dessen schönste Exemplare fotografisch dokumentiert und gezeigt wurden,
überraschten alle Zuhörer hinsichtlich Ihrer schönen Erhaltung. Das betrifft auch die wenigen
erhaltenen brandenburgischen Denare aus der Frühzeit der Stadtgründung, die den Fund domi-
nierenden pommerschen Vinkenogen, den Danziger Dreipölker, aber natürlich insbesondere
die schönen Dukaten aus Kärnten und Lübeck, die wegen des Münzmaterials (Gold) weniger mit
dem sie umgebenden Boden reagierten.
Die älteste Münze im Fundareal ist ein Brandenburger Denar (Pfennig), der 1275 geprägt wurde -
also kurz nach der Stadtgründung als Neubrandenburg noch zur Markgrafschaft Brandenburg
gehörte. Interessanterweise kommen die wenigsten Münzen aus der Region; hier wären zu nennen
ein Friedländer Witten sowie ein 1/48 Taler (Schilling) von 1705 aus der Prägestätte Mirow. Die
Herkunftsländer reichen von England, Norwegen, Pommern, Polen bis hin nach Russland,
Österreich und Holland und zeugen somit von den weit verzweigten Handelsbeziehungen vor
allem im 15. Jahrhundert, aus dem auch die meisten Fundmünzen stammen.

Bleibt zu hoffen, dass die Funde auf unserem Marktplatz - nach dem sie so lange im Boden
verborgen waren - später in unserem neuen Museum gezeigt werden können, und nicht weitere
Jahrhunderte in den Schweriner Magazinen überdauern müssen.

Der Neubrandenburger Münzverein wird sich darum bemühen, eine künftige Publikation des
Fundes auf dieser Internetseite zu präsentieren.

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